Distanz.

„Dirty Dancing“ – das waren noch Zeiten!
Das waren Zeiten, in denen uns – auf aus heutiger Sicht kultige Art und Weise – erklärt wurde, dass jeder seinen ureigenen „Abstand“ braucht. Wir lernen so, dass es jeder seinen Bereich hat und der sich –ausser vielleicht gelegentlich bei frisch Verliebten – auch nicht verkleinern oder mittels Mengenlehre vermischen lässt.
Jeder braucht seinen Bereich; seinen Rückzugsort. Und das auch im öffentlichen Raum. Wer hat sich auf Christkindlmärkten noch nie darüber beschwert, dass es zu eng wäre, dass man zu wenig Raum oder Luft hätte? Wir alle kennen das, das uns Mitmenschen zu nah‘ kommen – und wir uns damit nicht wohl fühlen.
Bei der Distanz, über die ich heute schreiben möchte, geht es eher um die innere Distanz. Wie schön ist es, wenn sich jemand voller Leidenschaft für eine Sache einbringt, sich begeistert und engagiert. Manchmal, so beobachte ich es nicht nur an mir selbst, verliert man vor lauter Begeisterung aber die (innere) Distanz – und damit auch den gesunden Abstand zu den Dingen.
Distanz hat viele Gesichter. So ist sie die „gradlinige Entfernung zwischen Punkten“ aber auch „in vielen Bereichen die Länge, die Wegstrecke, eines nicht gradlinigen Weges“. Ich wünsche mir, mich für das, das ich als Wert erachte, einbringen zu können. Mit Hirn und Herz und Leidenschaft.
Aber ich wünsche mir auch, dann, wann ich es für richtig halte, abschalten zu können und mich nicht länger damit beschäftigen zu müssen. Denn häufig geht es mir so, dass ich (vor lauter Begeisterung für eine Sache) den Absprung verpasse und im Ergebnis das Thema dann die ganze Nacht oder das ganze Wochenende mich beschäftigt; obwohl meine Begeisterung so weit gar nicht reicht. Das nervt. Das stört – nicht nur meinen Schlaf. Es macht mich unzufrieden, weil ich mich mit dieser erzwungenen Distanzlosigkeit nichts anderem vollends zuwenden kann. Es stört mich, dass ich nicht Herrin der Lage bin. Es tut mir nicht gut, eine Rolle weiterleben zu müssen, die ich eigentlich gerne beenden würde.

# Kann ich bitte per „Umschaltknopf“ festlegen, wo ich gerade Distanz erhöhen oder verringern möchte – in dem Maß, wie es mir gut tut?! Wie schaffe ich es, eine gesunde Distanz auch zu den Dingen zu haben, die mich begeistern – aber eben nicht rund um die Uhr? Wenn jemand Tipps hat: Her damit!

Advertisements

Angst. Ein (schlechter?) Ratgeber.

Angst. Das ist das (bisweilen diffuse) Gefühl, einen Fehler zu machen, in einer besonderen Situation zu sein, der Lage nicht gerecht zu werden – oder werden zu können.

Vor 2 Tagen wurde ich morgens um 3 Uhr im Auto bei einer Routinekontrolle von der Polizei angehalten. Ich wusste, ich habe nichts falsch gemacht. Ich trug beim Fahren, wie ich es muss, meine Brille. Mein Auto war gerade erst in der Inspektion. Getrunken hatte ich auch nicht. Das Tempo entsprach der Vorgaben. Ausser, dass ich also morgens sehr früh nach einem sehr langen dienstlichen Termin unterwegs war, hatte ich also nichts zu bieten. Und dennoch hatte ich Angst. Und warum? Weil der Polizist mich richtiggehend und nachhaltig „anblökte“, mich versuchte zu provozieren und ich mich auf einmal fragen musste, was mir in dieser Kontrolle blühen würde – obwohl ich ein lupenreines Gewissen haben konnte.
Und dann fiel es mir ein: „Angst ist ein schlechter Ratgeber.“
Ja genau. Mutig zu sein, ist das eine – und nicht immer leicht, wenn auch regelmässig notwendig. Aber zwischen „mutig zu sein“ und „Angst als Ratgeber“ zu nutzen, liegen Welten.

Fangen wir doch erst mal „klein“ an und versuchen wir, die Ratio zu stärken in dem wir der Angst (eine falsche Entscheidung zu treffen, etwas falsches zu sagen, …) bewusst begegnen. Bewusst begegnen heisst dabei für mich, sich selbst die Angst einzugestehen und das, was sie sagt, zu beleuchten. Wenn wir wissen, wovor wir Angst haben und warum, kennen wir ihre Bestandteile. Wenn wir die einzelnen Stücke des „Angstkuchens“ kennen, können wir die Stücke beleuchten, hinterfragen, bewerten und in eine bewusste Entscheidung einfliessen lassen. Dann schaffen wir es, aus der Angst einen Freund zu machen, der uns zur Seite steht, wenn wir in einer schwierigen, fordernden Situation sind.

# Wenn die Angst ein kluge Ratschläge gebender Freund wird, sind wir nicht alleine, wenn wir etwas zu entscheiden, zu verantworten haben. Und das alleine macht die Angst doch schon etwas beherrschbarer. Wir müssen uns nur trauen, der Angst selbst zu begegnen.

Abhängig von der Meinung anderer?

Habe ich eine eigene Meinung? Stehe ich mit dieser „meine Frau“ oder „meinen Mann“? Oder bin ich abhängig von dem, was andere meinen, sagen oder laut denken? 
Die meisten von uns haben gelernt, wie wichtig es ist, Dinge zu verstehen, zu hinterfragen und sich dann aus der Gemenge-/Faktenlage eine Meinung zu bilden. Und die meisten von uns sind durchaus in der Lage das mit Intelligenz und Ratio zu tun. Wenn dem aber so ist, warum gibt es dann doch immer wieder den Punkt, an dem man seine sowieso schon abgewogene Meinung erneut hinterfragt – nicht etwa, weil es neue Erkenntnisse gibt sondern weil es lediglich der Eindruck einer Stimmung oder Haltung anderer ist, die ggf. nicht mit der eigenen übereinstimmt? 

Die Wissenachaftlerin Noelle-Neumann hat vor Jahren bereits die sog. „Schweigespirale“ beschrieben, die im Kern besagt, das Menschen dann nicht mehr zu ihrer Meinung stehen, wenn sie meinen, das die (wahrgenommene) Mehrheit der anderen Menschen eine andere Meinung als die eigene vertritt.

Darauf ziele ich jetzt aber nur zum Teil ab. Ich will wissen, warum man sich so abhängig von den Meinungen und Haltungen und Stimmungen anderer macht. Ist das nicht schade, die geleistete Arbeit der Meinungsbildung durch eine (gefühlte) Intervention sofort zu hinterfragen, sich verunsichern lassen? 

# Schade, wenn man den Meinungsbildungsprozess anderer stärker gewichtet als die identische Leistung von sich selbst. Seid es Euch wert, respektiert Euch selbst – im gleichen Maß, wie Ihr das mit den Mitmenschen tut. Auf Dauer hat die Gesellschaft davon mehr als von lauter Schweigenden.

27.200.000 Ergebnisse bei Google. Oder: Die Leidenschaft.

27.200.000 – das sind siebenundzwanzigmillionenzweihundertausend Ergebnisse zum Begriff der Leidenschaft bei Google. Selbst wenn ich die Zeit hätte, …

Nun ja. Also: Leidenschaft. Puh! Ein positiv besetztes Wort. Ein erstrebenswerter Zustand. Emotion. Hingabe. Aufgabe. Begeisterung. Liebe. Hass. Alles in einem Wort. Wow!
Ich plädiere dafür, sich das, wofür man brennt, bewusst zu machen. Gebt dem Etwas einen Platz in Eurem Leben. Sonst lebt Ihr ohne Liebe, ohne Emotion, ohne Hingabe, ohne Begeisterung. Und das wäre doch ziemlich fad.

# Wofür entfacht Eure Leidenschaft? Wofür brennt Ihr? Bekommt Ihr genug davon?

Flow. Oder: Was habe ich davon?

„Flow (engl. fließen, rinnen, strömen) bezeichnet das Gefühl der völligen Vertiefung und des Aufgehens in einer Tätigkeit, auf Deutsch in etwa Schaffens- oder Tätigkeitsrausch, Funktionslust. […] Heute wird sie auch für rein geistige Aktivitäten in Anspruch genommen. Flow kann entstehen bei der Steuerung eines komplexen, schnell ablaufenden Geschehens, im Bereich zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile). Der Flow-Zugang und das Flow-Erleben sind individuell. […] Der Zustand, der beim Flow erreicht wird, entspricht der kardialen Kohärenz, einer optimalen Synchronisation von Herzschlag, Atmung und Blutdruck (siehe auch Respiratorische Sinusarrhythmie). In diesem Zustand besteht völlige Harmonie zwischen dem limbischen System, das die Emotionen steuert, und dem kortikalen System/Neocortex, dem der Sitz für Bewusstsein und Verstand zugeordnet wird. Der Flowzustand entspricht einem Zustand optimaler Anpassung/Resonanz der inneren Anteile und der Umwelt und lässt sich quantitativ erfassen und beschreiben über die Messung der Herzfrequenzvariabilität (eng. Heart rate variability HRV). Die Messung der HRV bietet eine messbare, biologische Bezugsgröße für Stresstoleranz und Funktionstüchtigkeit.“
[das alles sagt Wikipedia zu „Flow“]

Aha. Toll.
Was habe ich davon? Im Ernst: Eine ganze Menge.

1. Die Aktivität hat deutliche Ziele. Die Aktivität hat unmittelbare Rückmeldung.Die Tätigkeit hat ihre Zielsetzung bei sich selbst.
2. Wir sind fähig, uns auf unser Tun zu konzentrieren.
3. Anforderung und Fähigkeit stehen im ausgewogenen Verhältnis, so dass keine Langeweile oder Überforderung entsteht.
4. Wir haben das Gefühl von Kontrolle über unsere Aktivität.
5. Mühelosigkeit / Unsere Sorgen um uns selbst verschwinden.
6. Unser Gefühl für Zeitabläufe ist verändert.
7. Handlung und Bewusstsein verschmelzen.

Wenn wir im Flow sind, sind wir also eins mit dem was wir tun. Wir sind im Spektrum dessen, was in der Lage sind, zu tun. Wir bewegen uns also innerhalb des Maßes an Anforderung, das keine Überforderung ist und uns vor Langeweile schützt.
Eigentlich doch eine gute Sache. Eigentlich doch eine Sache, die uns glücklich macht. Warum ist es dann also so schwer, konstant „im Flow“ zu sein? Weil wir Menschen sind. Wir sind Menschen und haben als solche gute und weniger gute (und manchmal sogar richtig schlechte) Tage. Und nicht immer widmen wir unsere kostbare Zeit den Dingen, die uns den Flow ermöglichen. Das alles macht aber nichts. Vor allem so lange nicht, wie wir die Absicht „im Flow“ sein zu wollen, klar und greifbar vor uns inszenieren können. Vor allem so lange nicht, wie wir uns des Ziels bewusst sind und uns immer wieder selbst motivieren, auf diese Zielebene zu kommen.

# Also noch mal: Was habe ich davon? Harmonie. Kontrolle. Mühelosigkeit. Lohnt sich also, sich zu überlegen, was den eigenen Flow bedingen könnte; wann man im guten Verhältnis zwischen Anforderung und Überforderung ist. Oder?!

Tweets