Die Performance ist optimierungsfähig.

Eine Freundin erzählt mir, ihr ginge es nicht gut. Sie sagt, selbst die kleinsten Tätigkeiten des Alltags wären ihr nicht mehr möglich. Sie sagt dies, holt tief Luft (immerhin!) und schildert, dass sie kaum noch eine Waschmaschine anstellen kann – weil sie Angst davor hat, die Kraft nicht aufzubringen, die Wäsche aufzuhängen, wenn die Maschine fertig ist. Diese Freundin – keineswegs eine, die sich bisher durch Faulheit und Nichtbelastbarkeit ausgezeichnet hat – ist physisch und psychisch am Ende. Ich kenne sie lange. Ich weiss, dass sie sich den Dingen, die ihr wichtig sind, zu 100% und etwas mehr verschreibt. Ich weiss, dass sie sich einbringt – auch für das vermeintlich Kleine, das die Welt ein bisschen besser macht.

Ich habe sie gefragt, wann sie denn das letzte Mal sich nur um sich selbst gekümmert habe. Ich habe sie gefragt, wann sie denn das letzte Mal richtig lauthals gelacht habe. Und ich habe sie gefragt, wann sie denn das letzte Mal wirkliche Freude („wie früher“) über etwas (oder gar: sich selbst) empfunden habe.
Und sie antwortet – mit einem Schweigen. Sie kann die Fragen schlichtweg nicht beantworten, weil sie keine Antwort darauf hat; sie kann es nicht beziffern – sie weiss es einfach nicht.

Und dann lese ich in der FAS (23.10.2011), den folgenden Satz aus einem Führungskräftetreffen eines grossen Unternehmens: „BurnOut wird immer mehr zum Problem. Wir sollten unsere Performance da verbessern…“. Tja. Die Performance verbessern – genau das ist es doch, dem wir uns jeden Tag ausgesetzt sehen. Immer Leistung bringen – für die Firma, für den Job, für die Familie, für die Kinder, für die Freunde. Und selten gestehen wir uns ein, dass „gut“ auch wirklich ausreichend ist.

BurnOut wird immer mehr zum Problem – und (leider!) zum Modewort. Jeder ist doch mal müde, lustlos, frustriert oder antriebslos. Aber bitte: Das ist kein BurnOut. Das ist schlicht menschlich. BurnOut geht so viel weiter; so viel tiefer. Es lähmt nicht nur den Körper, es lähmt auch die Psyche. Die Angst kommt; die Angst vor der eigenen (bisher kaum eingestandenen) Schwäche. Die Angst davor, sich nicht mehr auf sich selbst verlassen zu können. „Krieg im Kopf“ – hat das mal ein betroffener Freund genannt.
Es trifft nicht die Schwachen; es trifft diejenigen, die brennen. Und leider ist es so, dass genau diese Leistungsträger (im Beruf wie für die Gesellschaft) auch ausbrennen. Wie Phosphor. Puff!

Was können wir tun? Wir können einen wachen Blick für unsere Mitmenschen haben. Wir können wirklich zuhören. Wir können beobachten, ob sie Zeichen der Erschöpfung, des sozialen Rückzugs, der Melancholie und Depression zeigen. Und wir können an ihrer Seite stehen. Wir können das wertschätzen, was ihnen widerfährt.

# Wir können ihnen aber nicht den Weg der Selbstheilung abnehmen. Wir können sie nur dabei unterstützen, diese Anzeichen als freundschaftliche Stoppschilder in der eigenen StVO zu sehen, damit sie so (langfristig) zum Freund werden können. Ein Freund, der uns liebevoll warnt, bevor wir verpuffen.

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Über notizleben.

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